AUSSTELLUNG | Stimmen, die sich suchen

Casa Onna
Via dei Martiri, I-67100 L’Aquila, Italia
6. April bis 15. September 2019

Am 6. April 2009 um 3:32 Uhr erschütterte ein gewaltiges Erdbeben die Stadt L’Aquila und deren Umland. Besonders tragisch war es in dem in der Peripherie gelegenen Dorf Onna. Von den 300 Einwohnern starben in jener Nacht 40 Menschen. Nur noch ein Trümmerfeld blieb übrig. Bereits während des Zweiten Weltkriegs wurde das Dorf durch ein Unglück heimgesucht: Am 11. Juni 1944 verübten Soldaten der deutschen Wehrmacht während ihres Rückzugs ein Massaker und zerstörten nahezu ein Drittel aller Gebäude.

Das kleine Dorf Onna ist ein Ort des Schmerzes. Fast jeder hier hat Verluste in der Familie zu beklagen. Es ist nicht leicht, damit zu leben. Ein Erdbeben ist mehr als ein Vibrieren von Steinen, es ist eine Erschütterung des Glaubens an die Grundfestigkeit der Welt und offenbart deren Vorläufigkeit. Die Onnesen wohnen zehn Jahre nach dem Erdbeben immer noch in den Hütten neben dem Ruinenfeld, das zuvor ihr Dorf gewesen war. Der Wiederaufbau geht nur schleppend voran.

Ich habe das Dorf fotografiert und die Menschen portraitiert: Kinder, Heranwachsende und Ältere. Trauer und Schmerz, aber auch Widerständigkeit und Stärke habe ich in den Gesichtern gefunden. Ich habe Dorflandschaften fotografiert und bin tief in die Vergangenheit des Ortes eingetaucht So verbinden sich die übervollen Bilder aus der Vergangenheit mit den ruhigen, menschenleeren Aufnahmen der Gegenwart.

„Stimmen, die sich suchen“ ist eine Arbeit über Erinnerung, über das Vergehen von Zeit, über Schmerz und Verlust, aber auch über die menschliche Fähigkeit, trotz allem das eigene Leben zu leben. Es gibt nur dieses eine. Alles lebt weiter fort, aber das Erdbeben zeigt, wie schnell die Gegenwart in ein Davor und ein Danach zerfallen kann. Ich nehme die Fäden auf und versuche, sie für den Betrachter wieder zusammen zu führen.

„Stimmen, die sich suchen“ ist auf Initiative und mit Unterstützung des Goethe-Instituts Rom, dem Verein „Onna Onlus“ und den Bewohnern des Dorfes Onna entstanden.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-13, 15-18 und Sa 15-18

www.goethe.de
www.onnaonlus.org

18. April 2019 von goeran
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