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Inseln

2005–2008

Die „Inseln“ sind Baumgruppen; Orte, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden und um die seit Urzeiten herumgepflügt wird. Es sind Störstellen in einer sonst einheitlichen Fläche, es sind aber auch Stellen, die diese strukturieren. Es wird etwas frei gelassen, das sich sehr deutlich von seiner Umgebung unterscheidet, das sich dieser entgegenstellt, über sie hinausragt, in ihr eine Art von Widerstand bildet.
Ich bin auf der Suche, nach der „perfekten“ Baumgruppe, nach einer Konstellation, die alles in sich vereint: die Kieferngruppe auf dem abgeernteten, umgepflügten Feld; der Himmel an dem die Wolken so gleichmäßig verteilt sind, dass er weiß wirkt; eine Landschaftsformation die Offenheit und Geschlossenheit, Horizontale und Vertikale so in eine innere Einheit bringt, dass eine Transformation, eine Art Deutungsraum entsteht.
Ein bestellter Acker, umgegrabenes Land, auf dem aber noch nichts wächst – Ende und Neubeginn in einer Landschaft, die regungslos verharrt. Es gibt keinen Wind, kein Tier und keine Veränderung, alles ist am Anfang.
Landschaft ist geduldig, Landschaft ist sie selbst, Landschaft ist auch gemacht, Landschaft drängt sich nicht auf, Landschaft will keine Geschichten von sich selbst erzählen, Landschaft ist es egal, wie sie aussieht, Landschaft befreit mich von der Narration.
Was ist außen und was ist innen? Beim Durchlaufen einer Landschaft entäußert sich meine Vorstellungswelt, das Innere bevölkert das Äußere und das Äußere beeinflusst das Innere. Es kann zu einem Gespräch zwischen mir und der Landschaft kommen, dass sich dann aber als Selbstgespräch herausstellt. Darin ähneln sich das Durchlaufen einer Landschaft und das Betrachten eines Landschaftsbildes.
Verstellen und öffnen, verschweigen und bekennen, vereinnahmen und beeinflusst werden: diese Wirklichkeit ist in uns selbst. Ich hinterlasse in der Landschaft nichts außer Fußspuren; ich nehme aber etwas mit, was dort nicht fehlt.

Göran Gnaudschun, 2009