
PRESSE | TIP Berlin
In der Juliausgabe der Berliner Stadtzeitschrift TIP gibt es eine schöne Ausstellungsbeschreibung von Claudia Wahjudi.
Göran Gnaudschun hat fotografiert, wo der SCHMERZ zuhause ist
Claudia Wahjudi, TIP, Juli 2025
FOTOESSAY Manchmal hängt Göran Gnaudschun heitere Ausstellungen aus luftigen Fotos von Menschen, Landschaften und Momenten. Manchmal ermöglicht er respektvolle Einblicke in prekäre Milieus wie das der Rentner:innen, Pfleger: innen und Orangenpflücker innen im südspanischen Murcia. Und manchmal fotografiert er dort, wo Verlust, Trauer und Trauma herrschen, aber auch Zusammenhalt und Widerstandsfähigkeit. Wie in Onna, einem Dorf am Fuß der Abruzzen. In Onna verübte die Wehrmacht 1944 ein Massaker, 2009 zerstörte ein Erdbeben fast den ganzen Ort, 42 von 280 Einwohner innen starben. Deutschland trägt, eingedenk des Verbrechens 1944, zum Wiederaufbau bei.
Göran Gnaudschun, 1971 in Potsdam geboren, besuchte Onna mehrmals. Ein Teil seiner Aufnahmen, die nun im Haus am Lützowplatz zu sehen sind, hatte 2019 dort Premiere.
Inzwischen ist daraus der Essay „Stimmen, die sich suchen” geworden, am Lützowplatz sorgfältig komponiert aus historischen Aufnahmen, die Gnaudschun abfotografierte, aus Wandtapeten, Texten, einem alten Amateurfilm, seinen Fotos von Bergen, Feldern, Gedenkorten, Gärten und Ruinen sowie intimen Porträts der Bewohnenden.
Landschaft, Orte und Menschen gehören bei Gnaudschun zusammen. Der tiefe Schmerz in den Gesichtern, den ihm die Porträtierten abzubilden erlaubten, zeigt, dass der Fotograf mit dieser Verbindung richtig liegt – auch wenn wir sie an anderen Orten leicht übersehen.
Haus am Lützowplatz, Lützowplatz 9, Tiergarten, Di-So 11-18 Uhr, bis 24.8.; Künstlergespräch/ Buchvorstellung: 2.7., 19 Uhr